Collateral Benefit

Collateral Benefit

Erstaunlich viele Kommentatoren, darunter einige renommierte Journalisten aus der politischen Mitte, sind der Meinung, Donald Trump habe den Friedensnobelpreis verdient.

Zuletzt wurden solche Stimmen laut, nachdem die israelische Armee in Folge der terroristischen Anschläge vom 07. Oktober 2023 weite Teile des Gazastreifens zerstört hatte. Die US-Administration hatte sich lange mit Kritik an Israel zurückgehalten. Dann, im September 2025, als bereits hunderttausende Menschen tot oder vertrieben waren, legte Trump einen Friedensplan vor, an dessen Umsetzung seither mehr oder weniger erfolgreich gearbeitet wird. Ein Zeichen der Hoffnung? Gewiss. Aber nobelpreiswürdig? Zweifel sind angebracht.

Gebührt der Friedensnobelpreis nicht vielmehr Menschen oder Organisationen, die sich in ethisch wertvoller und vorbildhafter Weise um das friedliche Zusammenleben der Völker verdient gemacht haben? Und vor allem: Welche Rolle spielt bei der Frage der Preiswürdigkeit eigentlich die innere Verfasstheit, die Intention, des Kandidaten? Das Gute zu wollen müsste doch das Mindeste sein, das man einem Aspiranten auf den Friedensnobelpreis abverlangen sollte.

Es ist daher einigermaßen irritierend, dass sich viele Beobachter immer dann, wenn Donald Trump etwas tut oder ankündigt, was nicht unmittelbar in die Apokalypse führt, genötigt fühlen zu raunen, nun sei dem US-Präsidenten die Auszeichnung wohl kaum mehr vorzuenthalten.

Mir scheint das eine eigentümliche Ausprägung des Stockholm-Syndroms zu sein. Mittlerweile müsste doch jeder politische Beobachter verstanden haben, dass Motive wie Ethik, Anstand oder Empathie für Trump niemals handlungsleitend sind.

Wer klar denken kann und nicht dem MAGA-Kult verfallen ist, der wird erkennen, dass sich Trumps charakterlicher Kosmos zu 100% aus Gier, Eitelkeit, Machtstreben und Boshaftigkeit speist. Altruistische Motive jeder Art haben da keinen Platz. Wenn der US-Präsident behauptet, er treffe eine Entscheidung, um Leid zu verhindern oder um anderen Menschen zu nützen, dann sind dies hohle Worte rein taktischer Natur, ohne jede innere Überzeugung. Wohl und Wehe seiner Mitmenschen sind Trump herzlich egal. Darüber sollte es eigentlich keine zwei Meinungen geben.

Ob im Vorfeld der Kommandoaktion in Venezuela, als Trump seinen Kriegsminister (!) Pete Hegseth verlautbaren ließ, die brutale Ermordung südamerikanischer Fischer sei nötig, um den Fentanyl-Missbrauch im eigenen Land einzudämmen; oder im Falle der aktuellen Krise rund um die Straße von Hormus, zu deren Rechtfertigung Trump die Welt glauben machen wollte, dass ihm die Freiheit der geschundenen iranischen Bevölkerung am Herzen liege (help is on the way!) – in Wahrheit geht und ging es dem US-Präsidenten stets und ausschließlich um die Marke Donald J. Trump; um gute Deals, um Zugriff auf Bodenschätze, um die Mehrung von Macht und Reichtum für sich und seine Familie.

Diese Einsicht führt mich zu folgender Feststellung: Zwar zeitigt nicht jede Entscheidung des US-Präsidenten ausnahmslos negative Folgen. Doch das Wahre, Schöne und Gute, das sich zuweilen aus der Trump’schen Politik herausmendelt, kommt stets ungeplant zustande: als Produkt des Zufalls, als Folge der Verkettung glücklicher Umstände, als Ironie der Geschichte – letztlich als Kollateral-Nutzen, den Trump ungerührt zur Kenntnis nimmt, und den er allenfalls taktierend darauf abklopft, inwieweit er sich bei künftigen Raubzügen als nützlich erweisen könnte.

Ein derart zynisches geopolitisches Würfelspiel ist – auch bei günstigem Ausgang – bestenfalls eines Seufzers der Erleichterung würdig, gewiss aber nicht des bedeutendsten Friedenspreises, den die freie Welt hervorgebracht hat.

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